Bildergalerien: Eros und Thanatos Mythen Schöne neue Welt Zitate Neue Bilder

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Das pralle Leben gemalt

Karl von der Heiden stellt zur "Kunstwoche" aus (NGZ). Seine Bilder begleiten die "Kulturwoche" im Wohnpark Broicherdorf und werden sicherlich für jede Menge Gesprächsstoff sorgen: Karl von der Heiden, der von 1972 bis 2003 in Kaarst lebte, hat sich im Wesentlichen von der Mythologie leiten lassen. "Eros Thanatos" heißt die zum Beginn der Kulturwoche eröffnete Ausstellung, die das pralle Leben zwischen Liebe und Tod auf monumentale Weise nachzeichnet. Karl von der Heiden stellt im Wohnpark Broicherdorf aus. NGZ-Foto: L. Berns-->
Immer wenn der jetzt in Düsseldorf lebende Künstler Bauschaum verwendet hat, besteht akute Ekelgefahr: Er formte damit Körper, Gliedmaßen und Gedärm, die die Bilder von weitem wie eine üppig belegte Pizza erscheinen lassen. Karl von der Heiden, der viele Jahre einen lithografischen Betrieb geleitet hat und dabei mit vielen Künstlern zusammen traf, möchte mit seinen Bildern und Bildobjekten Geschichten erzählen. Dieses Ziel hat er unzweifelhaft erreicht.
Alles, was die Zivilisation so an Treibgut angeschwemmt hat, wird in seinen opulenten Werken verarbeitet. Die Arbeiten stecken voller Symbole. Um sie zu entziffern, sollte sich der Betrachter in der Mythologie ein wenig auskennen. Der Künstler, 1940 in Krefeld geboren, verwendet neben Farbe eine Vielzahl anderer Materialien.
Neben dem bereits erwähnten Bauschaum kommen auch so ungewöhnliche "Zutaten" wie ein echter Pferdekiefer zum Einsatz, wie zum Beispiel in der Arbeit "Intensivstation". Karl von der Heiden erzählt mit seinen Bildobjekten Geschichten - zum Beispiel die von Aktaion, der Artemis beim Baden entdeckte, und die ihn zum Hirsch verwandelte, den anschließend ihre Hunde zerrissen.
Rau und voller Leidenschaft, so ist das Leben, wie von der Heiden es darstellt. Üppige weibliche Körper und zierliche Nymphen findet der Künstler zum Beispiel im Versandhaus-Katalog. Den Mann sieht von der Weiden gerne als jemanden, der seiner Begierde zum Opfer fällt. Er klebt, spachtelt, übermalt, schöpft dabei in jeder Beziehung aus dem Vollen.
Da werden alte germanische Sagen zitiert, Karl von der Heiden präsentiert aber auch seine Hommage an den bekannten japanischen Landschaftsmaler Andro Hiroshige. Das Ergebnis ist sehr surrealistisch. Gewisse Symbole tauchen immer wieder auf, wie etwa der Hirsch: Er steht für Unabhängigkeit und für ein Individuum, das es in der heutigen Zeit schwer hat.
Dass Leben zu Verwundungen führt, machen Versatzstücke aus der Medizin wie Mullbinden deutlich. Die Helden in den Bildern sind mitunter äußerst viril, hängen mitunter aber auch schon am Tropf. Zur Ausstellungseröffnung spielte das Düsseldorfer Klarinettentrio Klassik, Avantgarde und Kompositionen von Schülern von Mark Koll, der hinter der hinter der "Kulturwoche" im Wohnpark Broicherdorf steht. barni