Bildergalerien: Eros und Thanatos Mythen Schöne neue Welt Zitate Neue Bilder

Ausstellung in Kaarst - 'Musikschule Mark Koll'
vom 09.10.2015

Besichtigung auf - Nachfrage -

Ist die Malerei nicht schon lange tot, im Zeitalter perfekter Bilderwelten aller denkbaren Art und Herkunft? Hat nicht die Demokratie mit ihrer kaum verborgenen Ehrfurcht vor barocker Fürstenpracht schon längst die Bilder der berühmtesten Protagonisten in die unsäglichen Barokrahmen eingesargt, um sie in streng bewachten klimatisierten „Tempeln“ zur ewigen Ruhe zu betten; nicht ohne auch die unvermeidlichen Mythen über den finanziellen und ideellen Wert dieses Erbes dazu zu liefen? Sind wir nicht schon bis zum Überdruss mit Bildern beweglicher oder unbeweglicher Art eingedeckt?

Muss nicht unser optisches Gedächtnis, wenn wir es denn nutzen wollen, neben den natürlichen Bildern der Welt auch die künstlichen des homo sapiens seit Lascaux verkraften? Das ist wohl so und hat anscheinend doch nicht dazu geführt, daß wir die Sache leid sind. Ein Bildschirm in jedem Haus, kombiniert höchstens mit einem Bild des jeweiligen „Großen Bruders“ bleibt die düstere Vision Orwells. Stattdessen regiert der Kitsch, der schlechte Geschmack, die bewußte bildnerische Desinformation (zu welchem Zweck auch immer) hart bekämpft von wenigen Klarsichtigen und Mutigen die sich trauen unsere „Endzeitzivilisation“ in Frage zu stellen. So lasst uns denn weitermachen, wenn wir denn diesen unausrottbaren Trieb in uns spüren, diese merkwürdige Geilheit, die uns packt, wenn wir eine leere Fläche, oder sogar eine jungfräuliche Betonwand vor uns sehen, wenn wir Material in den Fingern halten vom Stück Kohle bis zu Spraydose!

So laßt uns denn den Abfall der Zivilisation zerlegen, überstreichen, aufleimen und neu verwenden! Laßt uns Illustrierte und Kataloge, Textilien, Fossilien, Schrott und Kunststoffe als „Werkstoffe“ auch für die Malerei ansehen und benutzen! Lasst uns unsere Malervorfahren nicht mehr zaghaft zitieren und uns dann „Schüler von ….“ nennen, sondern klatschen wir ihre guten oder schlechten Reproduktionen direkt auf unsere Malgründe, verkleben und übermalen sie und machen sie so auf eine neue Art für uns oder andere sichtbar. Erzählen wir damit neue oder alte Geschichten; wir lieben doch Geschichten und Mythen und führen wir uns unsere Träume und Entdeckungen buchstäblich „vor Augen“.

Vergessen wir dabei nicht, daß wir auch lachen können über das, was wir tun und bleiben wir kritisch gegenüber unseren Arbeiten; die Musik bewegt unsere Seelen viel mehr als die gelungenste Malerei. Und wenn wir dann in unserer einsamen Arbeit vor der Staffelei entdecken, daß wir den immer gültigen Gesetzen der Form- und Farbharmonie bedingungslos unterworfen sind, haben wir schon viel für uns gewonnen.

Karl von der Heiden - 2009 - kontakt( at )karl-von-der-heiden.de